Einstieg in den Klettersport
Tipps von Anika Ferlitsch

Einstieg in den Klettersport
Tipps von Anika Ferlitsch

Klettern ist ein wundervoller Sport, meiner Meinung nach ist es der Inbegriff von Freiheit, der nun immer mehr in den Trend rückt und die Massen begeistert. Seit 10 Jahren klettere ich mehrere Tage die Woche am Kanzianiberg in Kärnten und man konnte über diesen Zeitraum gut beobachten, wie der Parkplatz immer voller wurde.

Als ich die ersten Male am Kanzi unterwegs war, begaben sich mein Vater, mein Bruder und ich auf die zahlreichen Klettersteige. Ich sage es gleich – wir machten alles falsch! Als blutige Anfänger kämpften wir uns die Wege hoch und bedachten dabei so vieles nicht. Genau so war es auch beim anfänglichen Sportklettern. Deshalb möchte ich nun einige Tipps und Tricks teilen, um euch den Einstieg in den Klettersport zu erleichtern:

 

Der Anfang der steilen Sportkletter-Karriere

Wenn ihr keine Ahnung habt, macht keine Experimente! Solltet ihr mit dem Klettern anfangen wollen, begebt euch in sichere Hände. Wenn ihr Kletterer in eurem Freundeskreis habt, schließt euch an und ansonsten schaut euch nach einem Kurs um.

Kauft euch eine eigene Ausrüstung (Gurt und Schuhe) und wählt diese so, dass sie euch wie angegossen passt. Lasst euch beraten! Kletterschuhe kauft man für gewöhnlich immer ein paar Nummern zu klein. Wenn ihr beim Anprobieren der Schuhe ein sehr unangenehmes und sogar leicht schmerzhaftes Gefühl verspürt, habt ihr die richtige Größe. Kletterschuhe sind ausschließlich zum Fortbewegen auf der Wand gedacht und werden am Boden beim Sichern normalerweise sofort ausgezogen.

Beim Kauf von Seil, Expressschlingen und Sicherungsgerät betrachtet die Klettergebiete in eurer Umgebung. Sind die Felsen mehrheitlich hoch? Dann kauft ein langes Seil. Mit 80 Metern ist man in Sportklettergärten immer auf der sicheren Seite!

Beim Sicherungsgerät würde ich sehr zu einem Halbautomaten (z.B. Grigri) raten. Lasst euch auch hier von einem Fachmann beraten und spart nicht.

Anika Ferlitsch Klettern
© anika ferlitsch

Der nächste Tipp mag vielleicht etwas hart erscheinen aber wichtig: Lasst euch nur von vertrauenswürdigen Personen sichern! Es ist egal, wie eng ihr befreundet seid. Wenn euer Kletterpartner unkonzentriert ist oder während dem Sichern herumblödelt, dann müsst ihr ernsthaft darüber sprechen. Vergiss niemals: Du gibst dein Leben in seine/ihre Hände! Sich von Fremden sichern zu lassen ist auch keine gute Idee.

Beim Klettern ist eine Route dann geschafft, wenn diese im Vorstieg durchstiegen wurde! Alle anderen Begehungsstile (z.B. Toprope) gelten offiziell nicht. Vorstiegklettern ist nunmal etwas gefährlicher, besonders bei leichtem, stufigem Gelände ist das Verletzungsrisiko hoch. Trotzdem ist es gut schon früh mit dem Vorstieg zu beginnen, um euch an das aufregende Gefühl zu gewöhnen und mit unvermeidbaren Stürzen umgehen zu lernen.

In diesem Zusammenhang möchte ich noch etwas loswerden, was ich immer wieder von unwissenden Personen höre: „Wieso nehmt ihr Kletterer nicht einfach die Schlingen oder das Seil und zieht euch daran hoch? Ihr macht euch doch das Leben schwer.“ Meine Antwort: „Hebt ein Fußballspieler den Ball mit den Händen auf und trägt ihn zum Tor?“

Keine technischen Hilfsmittel zur Fortbewegung in der Wand zu benutzen ist einfach eine nicht-hinterfragbare Regel – ein Paradigma des Klettersports!

Einen Tipp möchte ich an angehende Sportkletterer noch abgeben:

Lernt auf kleinen Tritten zu stehen! Ihr könnt euch nicht permanent mit den Armen hochziehen, sondern braucht früher oder später eine gute Fußtechnik.

Zusammenfassend gesagt, solltet ihr auf Experten hören und Tipps von anderen Kletterern annehmen. Hinterfragt und beobachtet alles ganz genau! Wenn ihr euch bei einer Route nicht sicher seid, zum Beispiel weil dort sehr alte Schlaghaken als Sicherung angebracht wurden oder weil es gefährliche Stürze geben könnte, kann ich euch nur eines raten: Lasst es! Sucht euch etwas anderes!

 

Fordert euch, aber überschätzt euch nicht!

Anika Ferlitsch Klettern
© anika ferlitsch

Klettersteige – großer Spaß am Stahlseil

Klettersteige sind der häufigste Einstieg in den Klettersport heutzutage. Sie sind meiner Meinung nach leichter als richtige Kletterrouten, da man ja ein Stahlseil zur Verfügung hat.

Im Grunde gelten für den Einstieg und den Materialkauf die gleichen Regeln wie schon oben beim Sportklettern erwähnt wurden. Im Gegensatz zu dem oben genannten Paradigma nur den Fels zu verwenden, kann beim Begehen eines Klettersteigs ruhig zum Stahlseil gegriffen werden. Auch Pausen sind jederzeit erlaubt.

Ich rate jedem Klettersteiggeher – egal ob Anfänger oder Profi – eine Rastschlinge bestehend aus einer Bandschlinge und einem Karabiner am Gurt mitzunehmen. Man weiß nie, welche Zwischenfälle einen erwarten.

In Klettersteigen werden oft Stahlklammern, Stahlstifte o.ä. angebracht um den Aufstieg zu erleichtern – aber genau das ist auch die Falle. Bei einem ungünstigen Sturz kann man auf ihnen aufprallen und sich schwer verletzen.

Jede Einsteigerin und jeder Einsteiger muss für sich selbst herausfinden, ob Klettersteige oder Sportklettern das Herz höher schlagen lässt. Wichtig ist Spaß dabei zu haben, aber auch ernste Situationen zu erkennen. In diesem Sinne wünsche ich allen, die jetzt Lust auf den Sport bekommen haben, viel Erfolg und vor allem viel Spaß! Vielleicht sieht man sich ja einmal am Fels.

 

Seit 10 Jahren ist Anikas große Leidenschaft das Sportklettern und sie trainiert mehrmals die Woche mit ihrem Bruder Nico am Fels. Zuerst gingen sie einige Klettersteige und danach begannen sie langsam mit dem Sportklettern. Inzwischen kennt Anika die Besonderheiten von vielen der 600 Routen ihres heimischen Klettergebiets Kanzianiberg am Faaker See, was für sie auch der Auslöser war, einen Kletterführer von diesem Gebiet zu schreiben.Wir finden, er ist ihr besonders gut gelungen.

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